Abschied von Pfarrer Heinritz

Der „Abschied in Etappen“ endete feierlich mit Entpflichtung in der St.Georgskirche

Pfarrer Heinritz hinterläßt viele Spuren in Wendelstein

Wendelstein - In der aktuellen Coronazeit war es für die evangelische Kirchengemeinde Wendelstein keineswegs leicht, den Abschied ihres Pfarrers Norbert Heinritz nach 13 Jahren am Ort gemeinsam mit allen „Weggefährten“ und den Gemeindemitgliedern würdig zu feiern: Der Kompromiss war ein „Abschied in Etappen“ und über etliche Tage, der am 20. September offiziell in der St.Georgskirche mit der Entpflichtung durch Dekanin Berthild Sachs mit vielen Ehrengästen endete. Am Sonntagvormittag konnten die Gemeindemitglieder bei einem Gottesdienst im Garten der Arche in Großschwarzenlohe Abschied nehmen und beim offiziellen Abschiedsgottesdienst mit Entpflichtung am Nachmittag in St.Georg gab es bewusst nur wenige Grußworte und danach Gelegenheit für die Anwesenden, sich im Hof des Martin-Luther-Hauses persönlich und mit Präsenten zu verabschieden.

 Der Beginn des „Abschieds auf Etappen“ begann schon vor mehreren Tagen mit Abschiedsbesuchen in den örtlichen Einrichtungen der hiesigen evangelischen Kirchengemeinde, während das „Finale“ mit der Versammlung des Diakonievereins und der Eröffnung der Kita in der Arche in Großschwarzenlohe begann. Für die Mitglieder der Kirchengemeinde gab es dann am Sonntagvormittag die Möglichkeit zum persönlichen Abschied im Rahmen eines Freiluft-Gottesdienstes im Garten der „Arche“ und bei dieser Gelegenheit überreichte auch der Kirchenvorstand sein Abschiedsgeschenk.

Unter „Corona-Bedingungen“ fand am Nachmittag der offizielle Abschiedsgottesdienst in St.Georg in Wendelstein statt, bei dem Pfarrer Heinritz durch Dekanin Berthild Sachs vom Amt als Gemeindepfarrer entpflichtet wurde. In der „vollbesetzten Kirche“ für die aktuelle Situation begrüßte Pfarrer Norbert Heinritz die Ehrengäste und zahlreichen Weggefährten und begann seine einführenden Worte mit „Die Zeit ist gekommen, dies ist mein letzter Gottesdienst hier in Wendelstein“. Gerade der „Abschied auf Etappen“ habe ihm bewusst gemacht, wie sehr ihm in den letzten 13 Jahren Wendelstein zur persönlichen wie kirchlichen Heimat geworden sei.

Das Wagnis vom Wechsel von der Stadt aufs Land nicht bereut

Mit der persönlichen Bilanz „Es waren 13 tolle und wunderbare Jahre in Wendelstein und ich war gerne hier“ leitete er zum späteren Predigttext über mit dem „Garten Eden“ als Thema. Wie der erste Mensch damals in diesem Garten habe auch er 2007 vor vielen unerwarteten Neuerungen gestanden, als er seine halbe Dienststelle in einer Stadtteilgemeinde hier mit einer „Vollstelle“ als Pfarrer im ländlich-stadtnahen Raum getauscht habe. Über die Seelsorge hinaus sei er hier „Baupfarrer“, Diakonievorsitzender und „Verwalter“ für den Gemeindebesitz geworden. Was ihm geholfen habe, all das erfolgreich anzugehen, seien für ihn die guten Beziehungen gewesen.

Und indirekt, so Heinritz, gehe es eigentlich auch im Text über den Garten Eden um Beziehungen: Um die zwischen den Menschen sowie im Umgang mit der Natur und die persönliche Beziehung zu Gott. Deshalb bat er zum Abschluß der Predigt als Appell: „Kümmern sie sich um die Beziehungen zu ihren Mitmenschen, aber auch um die zur Natur und vor allem um die zwischen Ihnen und Gott!“. Nach der Predigt würdigte Dekanin Berthild Sachs die bleibenden Verdienste von Pfarrer Heinritz: „Du warst hier in Wendelstein immer ein Sorgender, ob in der Seelsorge, in den Bedürfnissen für die Gesellschaft und die Menschen oder in der Verwaltung der hiesigen kirchlichen Liegenschaften.“ 

 

Als „Guter Hirte“ auch im Dekanat ein Vorbild   

Norbert Heinritz, so die Dekanin, habe nie unüberlegt Entscheidungen getroffen oder Zweifel bei einer schwierigen Entscheidung über alles gestellt - in seiner Gemeinde wie im Dekanat - er habe stets nach Lösungen gesucht und war damit für viele im Dekanat zugleich in gewisser Weise der „Gute Hirte“ aus dem Psalm, der sich in jeder Lage um seine Herde umsichtig kümmere. Vor der offiziellen Entpflichtung wünschte sie ihm und seiner Familie auch für die neue Stelle in Neuendettelsau diese positiven Eigenschaften, auch wenn dort viel andere neue Arbeit auf ihn warte. Das erste Grußwort nach der Entpflichtung oblag danach Landrat Herbert Eckstein.

Er sah den christlichen Glauben heute als ein Traditionselement des Lebens unter vielen konkurrierenden Lebensangeboten, der Glaube habe aber durch Pfarrer Heinritz und andere „glaubwürdige“ Vertreter im ländlichen Raum starke Repräsentanten. Dies komme vor allem durch Gaben wie Offenheit und Kontaktfreudigkeit und die Vernetzung in der Bevölkerung sowie die Bereitschaft sich dem Alltag in einer christlichen Gemeinde im städtisch-ländlichen Spannungsfeld zu stellen und Hilfe anzubieten. Diese positiven Eigenschaften bestätigte nach ihm auch gern Bürgermeister Werner Langhans in seinem Grußwort.

Ein Mitgestalter der Ökumene, der eine große Lücke hinterlässt

Der Bürgermeister erinnerte an bleibende große Verdienste wie die Sanierung des Kirchendachs von St.Georg oder den Neubau eines Seniorenzentrums als Vorsitzender des Diakonievereins sowie an viele kleine gemeinsame Schritte in der örtlichen Ökumene im Markt Wendelstein, die Pfarrer Heinritz aktiv mitgestaltet habe. Heute seien die Jahresabschlussfeiern am Marktplatz oder die Gottesdienste zum Kärwaauftakt feste Veranstaltungen im Jahresplan mit starker kirchlich-ökumenischer Prägung. Einen irischen Reisesegen zitierend, bedauerte der Bürgermeister, dass Pfarrer Heinritz jetzt nach langem gemeinsamen Weg neue Wege allein vor sich habe und wünschte ihm dafür alles Gute und Gottes Segen.

Die Reihe der Grußworte beschloss Pfarrer Joachim Klenk für das Dekanat Schwabach und zählte als Beleg für die Wertschätzung der Arbeit des scheidenden Amtsbruders das Lob und die Würdigung der Pfarrerinnen und Pfarrer aus dem Dekanat in Stichworten auf. Für das neue Amt in Neuendettelsau empfahl er der Familie Heinritz dort zunächst „Hygge“ zu machen und den Ort ohne Streß zu erkunden. „Hygge“ stamme aus dem Dänischen und bedeute, einfach gelegentlich ohne besonderen Grund Nachbarn oder Freunde zu besuchen und sich dort bei Kaffee und Kuchen über alles persönlich Interessante in gemütlicher Runde zu unterhalten.  

       

Vor der Fortsetzung der Verabschiedung im gemütlichen Rahmen im nahen Hof beim Martin-Luther-Haus oblag es zuletzt Pfarrerin Alexandra Büttner in der Kirche ihrem Kollegen ein einmaliges Buch als Erinnerung zu übergeben. Im Buch haben viele angeschriebene Weggefährten und Ehrengäste für Pfarrer Heinritz ein Grußwort verfasst, das ihn zukünftig an seine 13 Jahre als Gemeindepfarrer in Wendelstein in besonderer Weise erinnert. Weitere Abschiedsgeschenke und persönliche gute Wünsche vieler Gottesdienstbesucher gab es für Norbert Heinritz und seine Familie anschließend beim gemütlichen Ausklang im Hof des Martin-Luther-Hauses.       (jör)