Ade – Abschied aus Wendelstein - von Pfr. Norbert Heinritz

Zum 1. Oktober werden meine Familie und ich Wendelstein verlassen und ich werde eine neue Stelle als Krankenhaus- und Altenheimseelsorger in Neuendettelsau antreten. Pfarrer gehören zum wandernden Gottesvolk. Nach 10 Jahren wird einem angeraten, sich eine neue Gemeinde oder eine neue Aufgabe zu suchen. Am 1. September werden es schon 13 Jahre sein, in denen meine Familie und ich in Wendelstein sein durften.

Es war eine wunderbare Zeit. Ich erinnere mich noch sehr gut an den schönen und warmherzigen Empfang, der uns damals bereitet wurde. So viel ist in dieser Zeit passiert. Das Pfarrhaus war zu Beginn noch gar nicht fertig. Erst im Juli 2008 konnten wir als fünfköpfige Familie das großzügige und heuer 300 Jahre alte Fachwerkhaus mitten im Ort beziehen. Unsere Kinder gingen alle noch zur Schule, die jüngste wechselte sogar noch in die Wendelsteiner Grundschule. Meine beiden Töchter feierten in unserer St. Georgskirche Konfirmation. Mittlerweile sind Florian, Christina und Ann-Kathrin erwachsen und wohnen an Studien- und Arbeitsorten.

Als Familie sind wir hier in Wendelstein schnell heimisch geworden. Es sind ja vor allem die guten Begegnungen und Beziehungen, die einen Ort zur Heimat werden lassen. Das ist es, was unsere Zeit hier in Wendelstein so wertvoll gemacht hat. So vielen Menschen bin ich begegnet. Ich kann gar nicht sagen, wie viele Kinder ich getauft habe und wie viele Paare ich getraut habe. Ich habe das immer mit großer Freude gemacht. Mittlerweile kommen die Täuflinge schon ins Konfirmandenalter. Eine Zeitlang hatten wir große Konfirmandengruppen mit bis zu 40 Jugendlichen. Jede Konfirmandengruppe war etwas Besonderes.

Gern erinnere ich mich an die Jugendfreizeit in den Sommerferien, die ich während einer Vakanz auf der Jugendreferentenstelle zusammen mit einem Team und 20 Jugendlichen in den Allgäuer Bergen verbrachte. Wir hatten großen Spaß. In den letzten Jahren habe ich verstärkt unsern Kindergarten im Pfarrgartenweg und die Kindertagesstätte Wirbelwind besucht. Das Singen, Lachen, Hüpfen, Tanzen mit den Kindern und die Familienwochenenden werden mir fehlen. Ein Höhepunkt war auch die Gemeindereise nach Tansania, bei der ich mir zuerst Sorgen machte, ob wir zehn Teilnehmende finden würden. Schließlich waren wir mit über 30 Personen unterwegs.

Viele Menschen durfte ich in schweren Lebensabschnitten begleiten. Ab und an hat mir das Herz geblutet und ich habe auch Tränen vergossen und doch ist es für einen Pfarrer unendlich wertvoll, nahe sein zu dürfen. Freut euch mit den Fröhlichen, weint mit den Weinenden. Dieses Wort des Apostels Paulus begleitet mich seit jeher in meinem Berufsleben. Für mich ist das die wesentliche Aufgabe eines Geistlichen. Leider bin ich da auch so manchem etwas schuldig geblieben.

So viele andere Aufgaben waren und sind ja mit dieser Pfarrstelle verbunden. Ich kann nicht sagen, dass ich all die Verwaltungs- und Managementaufgaben, die hier dazu gehören, ungern gemacht hätte. Die meisten Projekte habe ich mir nicht ausgesucht. Sie sind einfach auf mich zugekommen. Dass der historische gotische Dachstuhl dieser wunderschönen Wendelsteiner Kirche wegen Rissen saniert werden muss, dass der Bedarf an KiTa-Plätzen verschiedene Baumaßnahmen nötig macht und dass aufgrund von gesetzlichen Vorgaben ein kleines, schnuckliges Pflegeheim im Altort nicht mehr betrieben werden darf und Lösungen gesucht werden müssen, all das war damals nicht in der Stellenausschreibung gestanden. Vieles war mir neu. Obwohl ich mir manche Sorgen machte, habe ich diese Projekte gerne angepackt und viel dabei gelernt.

Vor allem bin ich froh, glücklich und dankbar für all die kompetenten und engagierten Menschen, mit denen zusammen das alles gelingen konnte. Es war das Miteinander, die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Kirchenvorstand und den Mitarbeitenden, die fachkundigen Leitungspersonen in den KiTas und der Diakonie, die großartige Ökumene in Wendelstein, die Kooperation in der Dekanatsregion und das gewinnbringende Zusammenspiel mit den Verantwortlichen der Marktgemeinde, die das alles gelingen ließen. Meine Kollegin Alexandra Büttner und ich haben uns sehr gut verstanden und am gleichen Strang gezogen. Ich kann hier gar nicht alle Menschen aufzählen, denen ich unendlich dankbar bin. Auch wenn ich mir jetzt selbst eine neue Aufgabe gesucht habe - ich werde sie alle vermissen. Das ist das Großartige am Pfarrberuf, dass man mit so vielen Menschen unterwegs ist.

Vermissen werde ich auch unsere schöne St. Georgskirche. Bei Führungen kann ich mittlerweile locker eine Stunde lang von der Geschichte und den Anekdoten dieser Kirche erzählen. So viele schöne Gottesdienste durfte ich in dieser Kirche und in der Arche mit großartiger Orgel-, Posaunen-, Band- und Chormusik feiern. Diese Musik und das gemeinsame Singen habe ich beim Corona-Lockdown sehr vermisst. Danke all denen, die da mittun. Und Danke all denen, die ihrer Kirche treu bleiben. Fast 1000 Gemeindeglieder haben wir in den vergangenen 13 Jahren verloren. Das tut weh. Das lässt auch den Spielraum geringer werden für all das, was wir in Kirche und Diakonie für die Menschen in Wendelstein tun.

Für mich beginnt am 1. Oktober ein neuer Lebensabschnitt. Ich wechsle zu Diakoneo, vormals die Neuendettelsauer Diakonie. Die Menschen mit ihren Freud- und Leiderfahrungen werden im Mittelpunkt meines Dienstes stehen. Ich werde sie im Krankenhaus und im Altenheim und als Vorsitzender des Hospizvereins besuchen und auch in schweren Lebenssituationen seelsorglich und pastoralpsychologisch begleiten. Meine Frau wird weiterhin im Rother Gymnasium Jugendliche unterrichten und unsere Kinder gehen ihren Weg.

Ich bin Gott für diese wunderbaren Jahre in Wendelstein sehr dankbar, dass ich so viele von Ihnen begleiten, kennenlernen und liebgewinnen durfte. Bleiben Sie behütet und gesegnet! Ade – Gott befohlen.

Ihr Pfarrer Norbert Heinritz mit Familie

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