Gedanken zu Ostern 2020

„Der Herr ist auferstanden!" – „Er ist wahrhaftig auferstanden!" So klingt der österliche Gruß in unseren Festgottesdiensten am Ostersonntag in der Arche und in der St. Georgskirche. So würde er auch in diesem Jahr erklingen, wenn nicht... Tja, heuer ist alles anders. Noch nie habe ich das erlebt, dass kein Ostergottesdienst stattfinden kann. Es tut weh auf die schönen Ostergottesdienste zu verzichten: das Osterfeuer im Garten der Arche; die Osternacht mit den brennenden Kerzen, der aufgehenden Sonne und dem gemeinsamen Gesang „Er ist erstanden, Halleluja"; die Osterfanfare des Posaunenchors zum Einzug der Osterkerze in die St. Georgskirche; ...

...die schönen Osterlieder, die Feier das Abendmahls und nach dem Gottesdienst das Osterfrühstück im Martin-Luther-Haus. Es tut weh, dass vieles nicht sein kann, was wir an Schönem gewohnt sind: auch nicht das Osterfest im großen Familienkreis; der Osterspaziergang mit Freunden; der Urlaub in den Ferien. Viele Menschen treiben bedrückende Sorgen um.

Dennoch... – das ist mein aktuelles Lieblingswort. Ein kleines unscheinbares Wörtchen und doch voller Kraft. Dennoch freue ich mich, auch wenn heuer alles anders ist. Ich freue mich am blühenden Kirschbaum und den flatternden Schmetterlingen im Pfarrgarten. Ich freue mich an den leuchtenden Osterglocken auf dem Wendelsteiner Kirchenfriedhof. Menschen denken da an ihre Lieben und setzen – vielleicht unbewusst – ein leuchtendes Zeichen der Hoffnung gegen den Tod. Ich freue mich über die vielfältigen kreativen Ideen, die Menschen derzeit entwickeln und weitergeben, und an der großen Hilfsbereitschaft. Ich freue mich über die vielen guten Worte, die ich lese und höre. Auch wenn heuer alles anders ist...

Dennoch feiern wir Ostern – natürlich. Wie kann es auch anders sein! Ostern ist nicht abgesagt. Ostern kann gar nicht abgesagt werden. Ostern ist wie ein heller Lichtstrahl in unseren Sorgen. Tausende von kleinen Osterkerzen wurden in den vergangenen Tagen in Wendelstein verteilt. Sie werden heute Morgen in den Häusern ein Licht der Hoffnung sein. Wir sind miteinander und mit Gott verbunden, auch wenn wir uns nicht sehen können.

Es ist dieses „Dennoch" des Glaubens, das mir in dieser Zeit, von der wir nicht wissen, was sie uns bringt, Mut macht und Kraft gibt. Im 73. Psalm heißt es: Dennoch bleibe ich stets an dir; denn du hältst mich bei meiner rechten Hand, du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich am Ende mit Ehren an. (Psalm 73,23-24) Dieses Bibelwort war mir schon oft Ermutigung und Hilfe.

Die Auferstehung Jesu ist nichts anderes als das große „Dennoch" Gottes gegen die zerstörerischen Mächte dieser Welt. Verleumdung, Spott und Erniedrigung musste Jesus ertragen. Dennoch gibt Gott die Menschen nicht auf. Hass und Gewalt haben Jesus an Kreuz geschlagen. Dennoch hält seine Liebe dem allen stand. Qualvoll stirbt Jesus am Kreuz. Dennoch siegt am Ostermorgen das Leben. Die Liebe Gottes ist einfach nicht tot zu kriegen...

... und unser Glaube auch nicht. Natürlich stehen die Fragen im Raum: Wieso so viel Hass und Gewalt? Wieso Krankheit und Sterben? Wie kann das gehen: Auferstehung, neues Leben? Wie passt das in unsere Welt, gerade jetzt, wo so viele vom Tod bedroht sind? Niemand, der so fragt, ist allein. Schon immer gibt es diese Fragen, vom ersten Ostermorgen an.

Doch schon immer gibt es auch dieses „Dennoch". Dennoch vertraue ich Gott. Dennoch bin ich gewiss, dass Gottes Liebe stärker ist als der Tod. Dennoch glaube ich an den Sieg des Lebens. Die Jüngerinnen und Jünger haben diese Botschaft in die Welt getragen. Seit zwei Jahrtausenden erfüllt sie die Herzen von Menschen: Jesus hat den Tod besiegt. Er ist auferstanden. Gerne stimme ich am Ostermorgen in dieses „Dennoch" ein. Es schenkt Kraft, Hoffnung und Zuversicht.

„Der Herr ist auferstanden!" – „Er ist wahrhaftig auferstanden!"

Ich wünsche Ihnen ein hoffnungsvolles und gesegnetes Osterfest.

Ihr Pfarrer Norbert Heinritz

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