Faschingspredigt 2020 von Pfarrer Norbert Heinritz

Liebe Leut, liebe Gma,
schee, ihr seid heut alle da.
denn düstre leere Kirchenbänk,
des könnt ihr euch ja alle denk,
sind für‘n Pfarrer net so toll,
der hätt sei Kirch‘n lieber voll.

(es gilt der fänkische Dialekt; zum Lesen in bessere Schriftform gebracht)

Net wegen ihm, des ist schon klar.
Net er ist in der Kirch‘n der Star.
Der Chef ist, wie ihr alle wisst,
natürlich der Herr Jesus Christ.
Auf sein Wort hören mir also heut
und des ist heut a große Freud.


 Die Heilung eines Blinden bei Jericho (Lukas 18 35-43)
35 Es geschah aber, als er in die Nähe von Jericho kam, da saß ein Blinder am Wege und bettelte. 36 Als er aber die Menge hörte, die vorbeiging, forschte er, was das wäre. 37 Da verkündeten sie ihm, Jesus von Nazareth gehe vorüber. 38 Und er rief: Jesus, du Sohn Davids, erbarme dich meiner! 39 Die aber vornean gingen, fuhren ihn an, er sollte schweigen. Er aber schrie noch viel mehr: Du Sohn Davids, erbarme dich meiner! 40 Jesus aber blieb stehen und befahl, ihn zu sich zu führen. Als er aber näher kam, fragte er ihn: 41 Was willst du, dass ich für dich tun soll? Er sprach: Herr, dass ich sehen kann. 42 Und Jesus sprach zu ihm: Sei sehend! Dein Glaube hat dir geholfen. 43 Und sogleich wurde er sehend und folgte ihm nach und pries Gott. Und alles Volk, das es sah, lobte Gott.


Es ist schon a verrückte G‘schicht,
so mancher glaubt‘s wahrscheinlich nicht:  
Von ‘nem Blinden wird erzählt,
wie der des Augenlicht erhält.
Schauen wir uns des amol g‘nauer an,
was des ist mit dem blinden Mann.

So bitt‘ wir also unseren Herrn:
‘nen klaren Blick hätt‘n mir gern.

Wir hören:
Nach Jericho zieht Jesus nei,
‘ne große Menge ist a dabei.
Da ist a riesengroßer Jubel
ziemlich laut der ganze Trubel.
Auf der Straß a riesen G‘schrei,
„Hauptsach ich war a dabei.“

Was erzähle kenne, ja des will ma(n)
heutzutag tät man mit dem Handy filme(n).
Was mich dabei fei arg erschreckt:
Net selten fehlt da der Respekt.
Da filmt man alles naaf und roo
und stellt’s ins Netz einfach so.
Was manche sich da fei erlaub‘n,
des kann man werkli gar net glaub‘n.

So bitt‘ wir also unseren Herrn:
‘nen klaren Blick hätt‘n mir gern.

Doch z‘rück zu unserm Bibelwort:
In Jericho am Jordan dort
hockt der Blinde am Straßenrand
und bettelt mit der offnen Hand.

Was sollt er denn a anders machen.
A Blinder hatte nix zu lachen.
Irgendwos braucht er zum Leben.
Versicherungen hat‘s net gegeben,
a net Harz IV und ‘nen Blindenbund,
a schon gleich gar net ‘nen Blindenhund.
Da war nix, was er machen kann.
A Blinder war damals recht arm dran.

Für ihn war‘s net mal Illusion,
dass geben könnt ‘ne Inklusion.
Was Inklusion eigentlich ist?
Ob ihr des werkli alle wisst?
Des heißt: a jeder g‘hört dazou,
dass man nix besonders bieten mou,
dass jeder am Leben teilhaben kann
A wenn‘st blind bist, duushöred oder lahm.

Wenn man des werkli machen will,
dann gibst zu tun noch ganz schee viel.
Schau her:
Mit dem Rollstuhl kommst net die Treppen nauf,
die Tür bringst ohne Kraft net auf,
selbst mit der Brill‘n siehst kleine Schilder net
und wenn net g‘scheid hörst, ist des a Gfredd.
Wo für manche echte Hindernisse sind.
Dafür sind wir oft ziemlich blind.

So bitt‘ wir also unseren Herrn:
‘nen klaren Blick hätt‘n mir gern.

Der Blinde hört also des G’schrei,
erfährt, Jesus ist a dabei.
Da kriegt er riesengroße Ohren.
„Vielleicht bin ich doch net verloren.“
Auf diesen Jesus er nun baut.
Er hofft, er glaubt, er vertraut.

Auf diese Hoffnung kommt‘s drauf an.
Die hat er fei, der blinde Mann.
Und recht hat er, ich sag‘s ganz offen:
Auf Jesus kann man immer hoffen.

Wer freilich kraftlos resigniert,
wer Gott aufgibt, der verliert.
Wer nicht mehr ruft, wer nichts mehr will,
bei dem wird’s auch im Herzen still.
Drum schrei Gott deine Not entgegen.
Auch Klagen, Rufen ist ein Segen.

So bitt‘ wir also unseren Herrn:
‘nen klaren Blick hätt‘n mir gern.

Der Mann fängt laut des Scheien an.
Er schreit wie blöd, so laut er kann:
„Jesus, Sohn Davids, erbarme dich meiner!“
Doch hören will des freilich keiner.
Die sagen: „Halt doch endlich amol dei‘ Schleppern,
Sonst dener mir dir eine scheppern.“

Ich weiß net, was die ihm hab‘n gedroht.
Ich weiß nur, wie unsere Kultur verroht.
Ja, b‘sonders in weiten Internet
ist mancher grad net besonders nett.
Da wird gelästert, gemobbt, gehetzt,
Da wird die Seele von Leuten verletzt.
Hinter der Anonymität wird sich versteckt.
Mit der Meinungsfreiheit, liebe Leut, ist des net gedeckt.

Was ich zuletzt entsetzlich fand
und des war werkli allerhand,
dass unser Bischof Bedford-Strom
Todesdrohungen hat bekomm(en).

Zum Glück: Gegen Hass und Hetze im Netz
gibt’s jetzt endlich a schärfers G’setz.

Was man also in sein Handy nei schreibt
und was dann a ewig im Internet bleibt,
sollte man dann schon so formulieren,
dass sich keiner muss dafür genieren;
und dass du’s dir des a sagen traust,
wenn‘st dem andern ins G‘sicht nei schaust.

Schalt also erst amol dein Hirnkästla ei(n),
bevor‘st was tippst in dein Wischkästla nei.
Und hab Mut und sag was dageg‘n.
Wenn‘st ‘nen Mist tust hören oder seh‘n.

So bitt‘ wir also unseren Herrn:
‘nen klaren Blick hätt‘n mir gern.

Kehren wir zu unserem Blinden z‘ruck,
der lässt sich net unterkriegen, so a Glück.
Dass er g‘hört wird, da drauf baut er,
und drum schreit er noch viel lauter:
„Jesus, Jesus, hab Erbarmen
mit mir Blinden, mit mir Armen.“

Und Jesus hört sein lautes G‘schrei
und sagt: „Kommt, bringt den amol herbei.“
Wer also bittet, schreit und fleht,
so jemand bei Jesus net leer ausgeht.

Jesus sagt: „Jetzt bist du hier?
Was willst du eigentlich von mir?“
Und der Blinde – des find ich ganz stark –
bittet net einfach um ‘ne Mark
oder um ‘nen Euro oder um ein Silberstück.
Was der will, ist eigentlich verrückt.
Der traut sich was, der blinde Mann:
sagt: „Ich will, dass ich sehen kann!“

Hätt‘n wir uns das a getraut?
Hätt‘n wir Jesus so vertraut?
Vielleicht ist unser Glaube einfach oft zu klein
und müsste noch viel größer sein.
Doch grad wer schwachen Glauben zeigt,
dem gilt Jesu Barmherzigkeit.
Wir würden leichter durch Leben geh‘n,
würden wir mehr auf Gottes Gnade seh‘n.

So bitt‘ wir also unseren Herrn:
‘nen klaren Blick hätt‘n mir gern.

Nun bittet dieser blinde Mann.
„Ich möcht, dass ich was seh‘n kann.“
So können und dürfen a wir des sagen.
Wie oft sind mir von Blindheit g‘schlagen.
A wenn wir ham a Augenlicht
mit‘m Herzen sehen wir oft nicht.

Hast du heut schon amol dran denkt,
auch dieser Sonntag ist dir g‘schenkt?
Und dass du leben däfst hier in Frieden,
des ist dir von Gott beschieden.
Und dass b’schützt bist auf deinen Wegen,
des ist vom Allmächtigen der Segen.

Und deine Sünden werd'n dir vergeben.
Wenn du des willst, däfst du leben
frei, gelassen und ganz froh,
denn der Herrgott liebt dich so.

Der war werkli so verrückt,
und hat uns seinen Sohn geschickt,
dass er, sein eigen Fleisch und Blut,
am Kreuz uns gnädig erlösen tut.
Weißt also mal nimmer weiter im Leben,
dann tu deinen Blick zum Kreuz erheben.
Von da kriegst du dann neuen Mut
und des tut deinem Herzen gut.

So bitt‘ wir also unseren Herrn:
‘nen klaren Blick hätt‘n mir gern.

Und Jesus macht den Blinden g‘sund.
Der lobt dann Gott aus vollem Mund.
Er geht sogar mit Jesus mit,
folgt ihm also Schritt für Schritt,
und Hand für Hand und Wort für Wort,
mit Händ‘ und Füß‘ loben Gott.
Der bekam net nur des Augenlicht,
a a offnes Herz hat er g‘kricht.

So bitt‘ wir also unseren Herrn:
‘nen klaren Blick hätt‘n mir gern,
net nur mit unsern scheenen Aug‘n,
a mit dem Herzen sollt man schau‘n.

So komm ich jetzt amol zum Schluss,
weil a a Pfarrer aufhör‘n muss.
Fragt der Pfarrer nach‘m Gottesdienst sein Mesner,
„Na wie ist’n des heut g‘wes‘n?“ –
„Ja, die Predigt kann man ‚passt schon‘ nennen,
bloß des Amen hätt a Viertelstund eher kommen können.

So hör ich jetzt auf in Gottes Namen,
und ihr sagt do drauf kräftig: Amen.

copyright: Norbert Heinritz am Sonntag Estomihi, 23.2.2020

Tags: