Faschingspredigt zu Amos 5,21-24 am 11.2.2018 von Pfr. Norbert Heinritz

Liebe Leut, liebe Gma,

ich freu mich fei, ihr seid heut da!
Die Georgskirch ist ganz schön voll,
Findet ihr das nicht auch toll?
Ne volle Kirche, ein lauter G'sang.
Gell, wie das g'rad schön erklang:
All Morgen ist ganz frisch und neu...
Ein Lied, bei dem ich mich so freu'.
Die Melodie hüpft förmlich rum,
und auch der Text ist gar nicht dumm:
Der singt von Gottes großer Gnad,
die brauchen wir ja jeden Tag.
Schön, wenn ihr alle laut mitsingt
und es dann hier ganz prächtig klingt.

Ja, liebe Leut, liebe Gma,
ich freu mich also: ihr seid da!
Ich hab mir's freilich heimlich g'dacht,
dass sich so mancher heut aufmacht
und nicht im Sessel bleibt daheim,
sondern hören will mein hopplerten Reim.
Habt ihr's gehört, wie er gehoppelt ist?
ich bin halt Amateur, das ist gewiss.
Doch was tut man nicht alles für seine Gma,
damit sie kommt - und ihr seid da!
Und ehrlich - es gilt auch das:
mir macht das Reimen richtig Spaß.

Heut ist es nicht wie in jenem Witz,
wo einer in der Kirchbank sitzt.
Sein bestes Stück sitzt nebendran
und stößt ihn bei der Predigt an.
Sie flüstert ihn ganz leis' ins Ohr:
"Da vorn schläft einer. Stell dir vor!"
Ihr Mann tut wegen dem Schlag erschrecken,
sagt: "Deswegen brauchst mich doch nicht wecken!"

Also: Schläft schon jemand von euch ei'
oder seid ihr noch ganz dabei?
Denkt dran! Ich seh euch ganz genau,
wenn ich von hier herunterschau.

Bei unserm Bibelwort für heute,
schläft keiner ein, liebe Leute.
Der Amos, alttestamentlicher Prophet,
mit Worten nicht grad zimperlich umgeht:

Ich hasse und verachte eure Feste und mag eure Versammlungen nicht riechen – es sei denn, ihr bringt mir rechte Brandopfer dar –, und an euren Speisopfern habe ich kein Gefallen, und euer fettes Schlachtopfer sehe ich nicht an. Tu weg von mir das Geplärr deiner Lieder; denn ich mag dein Harfenspiel nicht hören! Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach. (Amos 5,21-24)

Wir hören: Ich hasse und verachte!
Man denkt sich: 'Amos! Langsam, sachte!'
Doch Amos, der denkt gar nicht dran
sich zurückzuhalten, dieser Mann.
Er teilt mit Worten kräftig aus.
Manch einer denkt sich: 'Welch ein Graus!'

Doch Ärger nimmt Amos gern in Kauf.
Er nimmt es wirklich locker auf
mit jener Kappelln der Feuerwehr,
die aus der Oberpfalz kommt her.
Ihr wisst schon - gell - wen ich jetzt mein'?
Die war'n ja erst in Veitshöchheim.
Was die da wieder g'dichtet hab'n!
Besser wären's doch blieb'n daham.
Ich weiß nicht, was ihr als Franken dazu sagt.
Vielleicht habt ihr ja sogar gelacht?
Das war zwar blöd, was die da sagen,
und trotzdem müssen wir es halt ertragen.

Zum Amos freilich - das ist wahr -
ist der Unterschied ganz klar.
Der Neugirg redet halt blöd daher.
Der Amos freilich meint es sehr,
sehr ernst mit seinen Worten.
die gelten wahrhaft an allen Orten.

Ihm geht'ss dabei um die Halbfrommen,
die zu Gottesdienst und Festen kommen,
die dabei laute Lieder singen,
und auch fette Opfer bringen
und damit dann ernstlich meinen,
vor Gott könnten sie jetzt gut erscheinen,
obwohl sie im normalen Leben
nichts mehr für die Armen geben,
von den Geboten nichts mehr wissen,
die Fahne des Egoismus hissen,
sogar mit gekauften, falschen Zeugen
das Recht im Lande Israel beugen,
die nur schöne Reden schwingen,
aber keine Taten bringen.

Im Grund ist man mit einem Wort dabei:
nennen wir es doch einfach Heuchelei.
Und Heuchelei - gilt für die beiden -
können Amos und Gott nicht leiden.

Heuchelei fängt damit an,
dass man sich nicht drauf verlassen kann,
dass einer das, was er sagt,
hinterher auch wirklich macht.
Das gilt für die da unten und für die da oben.
Mehr brauch' ich dazu heut' gar nicht sagen.

Heuchelei - das sind große Redewolken,
denen keine Taten folgen.
So soll's jedenfalls unter uns Christen nicht sein.
Der Amos schreit da ganz laut: Nein!

Man kann doch nicht von Vergebung reden,
um dann selber nicht zu vergeben;
damit rechnen, dass Gott einen liebt,
ohne dass man Liebe weitergibt.

Man kann doch nicht von Gottes Barmherzigkeit schwärmen,
ohne die Herzen von andern zu wärmen;
oder von Recht und Gerechtigkeit predigen
und dann hinterrücks den andern erledigen.

Man kann doch nicht sonntags das Christsein in die Kirche tragen,
und werktags dann nicht die Wahrheit sagen.
So schön der Gottesdienst am Sonntag auch ist,
er ist nichts, wenn man ihn dann am Montag vergisst.

Der rechte Gottesdienst dauert nicht bloß eine Stunde.
Das sind nicht nur schöne Lieder im Munde.
Nein, da folgen auch Taten daraus.
Der rechte Gottesdienst füllt das ganze Leben aus.
Das ist es, was der Amos sagt,
warum er so deftige Worte macht.

Jetzt weiß ich freilich, wer heutzutag' in den Gottesdienst geht,
wer mutig zu seinem christlichen Glauben steht,
dem liegt Heuchelei wirklich fern,
der lebt sein Christsein auch im Alltag gern.

Und weil man nicht immer alles richtig macht,
manchmal auch ein böses Wort halt sagt,
weil das alles nicht so einfach ist im wirklichen Leben,
muss uns Gott immer wieder vergeben.
Und dann auch den andern bitten um Entschuldigung,
das bringt wirklich keinen von uns um.

Das Problem unsrer Tage ist weniger die Heuchelei,
als dass immer weniger gehen zum Gottesdienst nei (hinein).
Es ist weniger, dass der Glaube keine Folgen hat,
vielmehr ist oft der Glaube selber schon matt.

Was mir ehrlich Sorgen macht,
worüber ich oft nachgedacht:
Warum auch bei uns Wendelsteiner
der Besuch im Gottesdienst wird immer kleiner?

So wie's vor 14 Tagen geschah,
da warn hier grad 18 Leutle da.
Und am ersten Weihnachtstag -
ihr glaubt's nicht, wenn ich das jetzt sag',
aber ich hab's ja wirklich geseh'n -
waren es in der Arche grad mal zehn.
Am Abend vorher, ja, da waren die Kirchen voll,
da freuen wir uns. Das ist schon toll!
Und doch: die Zahlen nehmen ab
und irgendwann wird's dann halt knapp.

Jetzt frag' ich euch: Woran das liegt?
Gefallen die Lieder vielleicht nicht?
Das alte Zeug vom Martin Luther -
g'fällt's bloß noch mir und meiner Mutter?
Oder sind die Predigten zu fad,
zu lang, zu trocken, zu wenig Gnad'?
Vielleicht sind's auch zu lebensfern,
zu hochgestochen, vom anderen Stern?
Oder liegt's an der Anfangszeit,
wenn um neun schon die Glocke läut'?
Der eine liegt dann noch im Bett.
Die andre findet das Frühstück nett.
Lieber mit der Familie zusammesitzen,
als schnell noch in die Kirche flitzen.
Es gibt halt einfach so viel zu tu(n),
da möcht' man auch einmal sein Ruh.
Wahrscheinlich gibt's ein Haufen Gründ',
warum die Kirchen leerer sind.

Und auch ich muss euch gesteh'n:
nicht jede Predigt ist so schön,
dass ich vom Anfang bis zum Ende
immer ganz zuhören könnte.

Und trotzdem geh' ich meistens gern
zum Gottesdienst zum Lob des Herrn.
Denn ich, ich werd' so reich beschenkt
und wie Gott auch mein Leben lenkt:
Ne liebe Frau und gute Kinder,
ne warme Stub'n im kalten Winter,
ein gutes Essen, täglich Brot,
ein Leben hier und jetzt ganz ohne Not.
Da möcht' ich einfach ohne Fragen
meinem Herrgott "Danke" sagen.

Drum geh ich am Tag des Herrn
zum Gottesdienst auch meistens gern.
Meine Sorgen möcht' ich vor Gott auch bringen
und schöne Kirchenlieder singen;
vor allem hören, dass Gott vergibt
und dass er mich von Herzen liebt.
Das Evangelium sollen's mir verkünden
und Orientierung möcht' ich finden.
Die Predigt soll mir schon 'was geben
für meinen Gottesdienst im Leben.
Und dann am Ende gibt's Gottes Segen,
den brauche ich auf meinen Wegen.

Und etzetla (jetzt), dass ihr nicht sagt,
wie das die Frau da hat gemacht,
die sich vertraulich zur Nachbarin g'wend't,
und g'fragt hat: "Ist der Pfarrer bald am End?"
Die Nachbarin - der Blick war bang -
hat g'sagt: „Am End ist der schon lang.
Doch ist er halt ein b'sonders G'scheiter,
drum predigt er halt trotzdem weiter."

Ich hör' nun auf in Gottes Namen.
Und ihr sagt etzetla laut: "Amen."

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