Gedanken zum 1. Advent

Liebe Gemeinde.

Es ist Advent geworden. Ich hatte ihn herbeigesehnt und mich auf die Gottesdienste gefreut. Ich hatte mich auf den Adventskranz gefreut, und auf die erste Kerze, die wir entzünden. Das ist für mich fast ein magischer Moment.  Ich hatte mich gefreut auf den Moment, wo wir das Lied „Macht hoch die Tür“ anstimmen.

 

 

Jetzt bin ich in Quarantäne und feiere den Gottesdienst wohl im Radio mit. Und irgendwo werde ich dieses Lied hören und mitsingen, das für mich jedes Jahr die Adventszeit einläutet und andere Lieder lasse ich auch in meinem Haus ertönen.

In den alten Adventsliedern wird für mich deutlich, dass die Adventszeit eine eigene Zeit ist, und nicht nur Vor-Weihnachtszeit.

Im Advent wird die Sehnsucht laut. Die Sehnsucht nach Geborgenheit, nach Frieden, nach Liebe, nach Heilsein, nach Zuversicht und Hoffnung.

In diesem Jahr spüren wir die Sehnsucht vielleicht deutlicher. Ein außergewöhnliches und anstrengendes Jahr geht zu Ende. Viele sind erschöpft, gerade auch seelisch.

Woher noch Mut und Kraft nehmen? All das scheint aufgebraucht nach all den Wochen und Monaten und auch in einer Situation, wo wir so wenig Perspektive auf etwas Anderes haben.

Meine Sehnsucht kann ich auch nicht mehr mit Glühwein und Aktivitäten und hektischem Getriebe übertönen.

Die alten Lieder wissen und singen davon, dass das Leben noch nicht allumfassend heil und gut ist.

Dass es immer wieder Erfahrungen gibt, die unsere Herzen hart angehen und manchmal gar brechen lassen, und unsere Seelen verwundet zurücklassen.

All das wird nicht beschönigt oder verdrängt.

Wovon die Lieder aber trotzdem auch singen, ist eine große Hoffnung, dass Gott uns Menschen sieht und mit seinem Trost nahe ist.

Diese alten Lieder singen vom Vertrauen, dass Gott Not und Leid wendet, weil er den Retter schickt. In eindringlichen Worten und Melodien, die uns natürlich nicht mehr so vertraut sind, kommt genau das zum Ausdruck. Es wird auch die Hartnäckigkeit deutlich, mit der die Liederdichter Gott in den Ohren liegen und von ihm erwarten, dass er sie hört und erhört.

Ein anderer Advent wartet auf uns, wie auch immer er aussehen wird. Im Wort Advent steckt auch das Wort „adventure“ – Abenteuer.

Ich werde nicht müde, auf Gottes Abenteuer mit mir, mit uns zu vertrauen. Ich will erwarten, dass in all dem, was uns herausfordert, oder uns nicht gefällt, oder uns existentiell anficht, uns trotzdem ein Lichtstrahl Gottes erreicht, der unsere Herzen wärmt und auch ein Licht auf dem Weg sein möge.

In all dem, was grade auch schwer und herausfordernd ist, erlebe ich ebenso eine Welle von Zuneigung und Unterstützung, die mich rührt und bewegt. Danke! Das ist auch der Weg: Im Füreinander Da sein und Einstehen kommen wir da durch.

Danke unserem Posaunenchor für die Lieder aus dem Gottesdienst, die wir anhören können und die uns ermutigen sollen.

Seien sie gesegnet!

Ihre Pfarrerin

Alexandra Büttner