Gedanken zum 1. Sonntag nach Trinitatis

 „Glück ist, wenn man dafür geliebt wird, wie man eben ist.“

Dieser Satz stand in einer Art Vermächtnis von einem Menschen, den ich beerdigt habe. Diese Aussage hat mich berührt, da es keinesfalls selbstverständlich ist, dafür geliebt zu werden, wie man eben ist. Wir erleben, dass sich jemand an unserer Art stört und das gilt umgekehrt ja genauso. So dass wir den anderen gerne umerziehen, weil er oder sie halt doch anders ist, als wie wir ihn oder sie gerne hätten und uns vor allen Dingen mit den herausfordernden Seiten eines Menschen oft schwertun.

Mit dem heutigen 1. Sonntag nach dem Trinitatisfest haben unsere Sonntage wieder nur Nummern und keine eigenen Namen. Trotzdem geben sie uns eine Frage mit, oder einen bestimmten Gedanken. Der heutige Sonntag richtet den Blick auf den Nächsten und stellt klar, unsere Liebe und Beziehung zu Gott hat Auswirkungen auf unsere Beziehung zu unserem Nächsten. Das, was Gott von uns möchte ist, dass wir einander lieben.

Das ist nun keine ganz neue Botschaft, stellt mich aber immer wieder vor Herausforderungen.

Gott sei Dank, gibt es ja so manche oder gar viele Menschen, wo mir das gut gelingt, sie zu lieben, sie mit dem Herzen zu sehen, ihnen Wertschätzung und Respekt zu schenken.

Eben sie spüren zu lassen, dass sie wertvoll sind –nicht nur für mich -und ich kann ihnen auch vermitteln, dass sie gar nichts tun müssen, um diese Liebe zu verdienen. Die Liebe ist einfach da.

Bewusst wird mir wieder einmal, dass es wichtig ist, es den anderen immer wieder wissen zu lassen, dass ich ihn oder sie liebe, denn dass der andere es weiß, geschieht nicht automatisch.

Und umgekehrt ist es eben Glück, wenn ich das auch erlebe, gerade, wenn und weil ich um meine Ecken und Kanten weiß.

Es ist Glück oder anders gesagt, ein Geschenk und darum nicht selbstverständlich und so will ich das dankbar annehmen, wo ich es erlebe.

Spannend wird es ja da, wo wir uns miteinander schwertun, wo das nicht gelingt, in Liebe miteinander zu leben.

Jetzt gibt es aber das Gebot Gottes trotzdem. Manche/r mag sich an dem Wort Gebot stören. Das ändert nichts daran, dass es uns allen guttut, geliebt zu werden und wieder zu lieben und die Welt wird ein schönerer Ort, wenn wir es tun und auch immer wieder versuchen und wenn da richtig viele mitmachen, dann wird es noch schöner.

Ich mache es jetzt konkret. Mit Blick auf Menschen um uns herum fällt uns doch bestimmt jemand ein, wo es uns nicht so leicht fällt ihn oder sie zu lieben. Wie wäre es mit einem Experiment? Nehmen wir es uns doch vor in den nächsten Tagen, zu versuchen diesen Menschen zu lieben (Dieser eine reicht erst mal, es soll ja zu bewältigen sein). Liebe hat nämlich am Wenigsten mit Gefühl zu tun, sondern ganz viel mit Willen und Entscheidung.

Wenn ich diesen Menschen nun so vor meinem inneren Auge habe, dann frage ich mich, warum es mir schwer fällt zu ihn oder sie zu lieben. Die Frage bedenke ich auch vor Gott. Das erinnert mich schon mal daran, dass der/die andere ja genau wie ich, ein geliebtes Kind Gottes ist. Schwer zu lieben, fällt es mir manchmal, weil ich mit dem anderen Dinge erlebt habe, die mich kränken oder über die ich mich ärgere oder ich eben durch dessen ganz Anders oder manchmal ganz Ähnlich sein zu mir herausgefordert werde. An manchen Stellen werde ich lernen müssen zu verzeihen oder auch loslassen zu lernen.

Gelingt es mir gut vom anderen zu denken? Eben auf das zu sehen, was ich an ihm oder ihr mag? Kann ich dessen/deren liebenswerte Seite entdecken? Und wie kann ich meine Liebe zeigen? In Worten oder Taten, denn Liebe hat erst mal ganz viel mit Geben zu tun, und nicht mit Nehmen. Natürlich wird es irgendwann schwierig, wenn nur eine Seite gibt.

Viele Täuflinge werden derzeit mit dem Bibelwort: „Lasst uns nicht lieben mit Worten, sondern mit der Tat und der Wahrheit.“ – ins Leben geschickt.

Und dann sage ich oft, dass es ein wahrhaft schönes Motto ist, unter das man sein Leben stellen kann. Wie gesagt, es ist leicht, es ist schwer. Es gelingt wie nebenbei und manchmal muss ich mich aber immer wieder neu daran erinnern, dass ich den anderen mit dem Herzen sehen will und ihn/sie lieben will.

Bleiben sie behütet!

Ihre Pfarrerin Büttner

 

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