Gereimte Faschingspredigt von Pfr. Norbert Heinritz am 7.2.2016

Liebe Gemeinde, liebe Leut,

um die Liebe geht es heut.
Im Radio wird sie viel besungen,
daheim wird oft um sie gerungen.
In der Kirche wird von ihr meist viel geredet,
und auch häufig um sie betet.

Doch wenn man fragt: was sie eigentlich ist,
dann weiß das keiner so gewiss.
Das Ganze fängt schon damit an,
wen man da eigentlich fragen kann.

Wenn man den Biologen fragt,
er uns dann was von Strömen sagt,
von Dopamin und Corisol.
Das ganze Hirn sei damit voll,
wenn Liebe uns den Kopf verdreht,
der Hormonhaushalt kopfüber steht.
So sehr man das auch alles misst.
Es sagt nichts, was eigentlich die Liebe ist.

Fragen wir dann den Psychologen,
der sagt, seit der Steinzeit wird vorgezogen
von Frauen der starke Mann mit harten Sehnen,
von Männern die junge Frau mit guten Genen.
Über die Steinzeit sind wir da nicht hinaus,
sagt der Psychologe - ich denk mir: So ein Graus!
So ein Gedanke ist ein recht fahler,
als wären wir noch Neandertaler.
Ob man da nicht wichtiges vergisst,
nicht weiß, was eigentlich Liebe ist.

Dann frag ich halt meinen Soziologensohn,
der redet von Semantik und Interaktion,
von Beziehungen und Systemen,
von Mustern und Theoremen.
Sicher hat er mit all dem Recht.
Sicher ist das auch gar nicht schlecht.
Aber ob man dabei nicht doch vergisst,
was eigentlich die Liebe ist.

Hören wir doch lieber auf die Dichter,
da hat die Liebe viele Gesichter:
Himmel hoch jauchzend und zu Tode betrübt,
jugendlich frisch, nach Jahren geübt.
Da hört man von Liebeskummer und Leidenschaft.
Von Muße, Sehnsucht, Herzschmerz und Lebenskraft.

So oft wurde die Liebe schon besungen,
ob da die Wahrheit ist erklungen?
Hören wir uns da mal den Goethe an,
diesen berühmten deutschen Mann:

Wenn dir's in Kopf und Herzen schwirrt,
was willst du Bessres haben!
Wer nicht mehr liebt und nicht mehr irrt,
der lasse sich begraben.

Aber auch:
Ihr seufzt und singt und schmelzt und küsst
Und jauchzet, ohne dass ihr's wisst,
Dem Abgrund in der Nähe.
Flieht Wiese, Bach und Sonnenschein,
Schleicht, soll's euch wohl im Winter sein,
Bald zu dem Herd der Ehe.

Und Heinrich Heine hat geschrieben,
über die, die sich lieben:
Du fragst mich Kind, was Liebe ist?
Ein Stern in einem Haufen Mist.

Wenn man auf Literaten hört,
da ist die Liebe sehr begehrt.
Sie schreiben überschwänglich gar
oder man ist mit ihr dem Abgrund nah.
Da hat die Liebe viele Seiten.
Das lässt sich wirklich nicht bestreiten.

Hören wir noch auf des Volkes Mund,
was Sprichwörter uns tun da kund:

Die erste Liebe und der Mai
gehen selten ohne Frost vorbei.

Frauenlieb' und süßer Wein,
kann morgen beides Essig sein.

Heimliche Liebe versteckt sich.
Und wer sich lieb, der neckt sich.

Tja, ob Ihr da jetzt wirklich wisst,
was eigentlich die Liebe ist?

Meist denkt man ja an Frau und Mann,
mit Sex man sie verwechseln kann.
Oder man glaubt nur an Wolke sieben,
ans Hochgefühl des sich verlieben.
Und wenn ich dann nicht krieg, was ich will,
dann ist es schnell um die Liebe still.
Und mancher sagt: Jeder denkt nur an sich,
also lieb ich halt auch nur mich.
Oder die Liebe wird gleich gar verzweckt,
dass man darin nur noch die Altersvorsorge entdeckt.

Freilich: Ob man da nicht vergisst,
was eigentlich denn die Liebe ist?

Hören wir mal in die Bibel rein,
von der Liebe redet sie ganz fein.
So schrieb der Paulus ein Gedicht,
das wirft auf die Liebe ein besonderes Licht.

Er redet da in Superlativen,
die ihn zum höchsten Lobpreis hieven.
Wenn auf der Welt hier gar nichts bliebe,
so wäre es am Ende doch die Liebe.
Sie ist das Beste, was es gibt.
Nichts ist es, wenn man nicht liebt.

Die Liebe, nur die Liebe bleibt.
Ob Paulus hier nicht übertreibt?
Ob da vielleicht nicht doch die Schwaben,
mehr Realitätssinn haben:
Die sagen nüchtern: Liebe vergeht,
worauf es ankommt: Hektar besteht.

Ist Paulus also kein Realist,
der auch nicht weiß, was Liebe ist?
Was ist also seine Botschaft an Korinth
und auch an uns, jedes Gotteskind?

An die Korinther schreibt er den Brief,
wo’s eigentlich so schlecht gar nicht lief.
Qualitäten hatten sie sehr viel
und brachten sie auch stolz ins Spiel.
„Schaut her, was wir hier alles spenden,
Almosen, Kirchgeld aller Enden.
Es sind so viel Gnadengaben,
die wir hier unter schon haben.
Wir sind ganz charismatisch drauf,
der Glaube ist bei uns voll im Lauf.“

Nur haben sie‘s halt übertrieben,
sind auf dem Boden nicht geblieben.
Die führten ein ausschweifendes Leben,
meinten: „Gott hat uns doch eh vergeben.
Wir können machen, was wir wollen.
Gott liebt uns, er tut uns nicht grollen.“

Solche Worte haben die Korinther gemacht.
Der Paulus hat nicht darüber gelacht.
Das muss ich euch schon sagen, liebe Leut,
so mancher meint das auch noch heut,
„Ich glaub halt an den lieben Gott,
wozu brauch ich da noch sein Wort?!
Ich mach‘s halt so, wie ich mir denk.
Egal, ob ich da Liebe schenk.“

Doch Paulus sagt, da hast du nicht recht!
Wenn du so denkst, dann ist das schlecht.
Auch wenn du da vielleicht drüber lachst,
es ist nicht Wurscht, was du so machst.
Und selbst wenn du noch so super bist,
ohne die Liebe, ist das alles Mist.

Stell dir vor: Du könntest mit Engelszungen beten,
könntest halten die besten Reden,
wissest alles auf der Welt,
gäbst den Armen dein ganzes Geld,
hättest einen Glauben riesengroß,
könntest singen ganz famos,
hättest `nen Kopf der nichts vergisst -
ohne Liebe wäre das alles Mist.

Liebe heißt, den andern sehn,
ihm seine Schuld immer wieder vergeben,
nicht meinen, ich allein hab Recht,
nicht reden über den andern schlecht.
Den Balken im eignen Auge sehen,
versuchen, den andern zu verstehen.
Nicht bloß immer auf seinen Vorteil schauen,
sondern auf Gemeinschaft bauen.
Geduld haben, wenn der andre spinnt,
sich freuen, wenn er sich wieder besinnt.
Nicht bitter werden und auch nicht blöd,
wenn mich der andre nicht versteht.
Nicht immer gleich sein Maul aufreißen,
sich lieber mal auf die Zunge beißen.
‘Was aushalten, ‘was glauben und auch ‘was hoffen.
Ruhig bleiben, wenn die andern zoffen.
Über den Schaden vom andern sich nicht freuen,
die Wahrheit sagen, aber nicht einbläuen.

So, liebe Gemeinde, wär‘s wohl gut umschrieben,
wenn Paulus sagt, ihr sollt euch lieben.
Bei allem, was du kannst und tust,
bei allem, was du lässt und musst,
wenn du die Liebe da vergisst,
ich sag dir’s: dann ist alles Mist.

Und glaub mir‘s, längst ist‘s noch nicht soweit,
dass du bist wirklich supergescheit.
Den Durchblick hat auf derer Welt noch keiner,
kein Großer nicht und auch klein Kleiner.
Drum trag die Nase nicht so hoch,
weil das der liebe Gott nicht mag.

Am Ende kommt es nicht drauf an,
was du, Frau oder Mann,
großes geleistet hast oder gemacht,
was andre über dich gesagt.
Der Paulus tut’s schon richtig schreiben:
Am Ende Glaube, Hoffnung, Liebe bleiben.

„Warum?“, könnt Ihr mich jetzt fragen.
Ich will’s euch mit Johannes sagen.
Es bleibt die Liebe, damit ihr’s wisst,
weil Gott selber die Liebe ist.
Und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott.
Das ist das wahre Gottes Wort.
Und auch die Antwort auf unsre Frag,
wie man die Liebe verstehen mag.

Drum stellt euch lieber nicht so dumm,
sondern geht miteinander freundlich um.
Das war’s, was ich euch sagen muss.
Drum mache ich jetzt endlich mal Schluss.
Und ihr sagt alle in Gottes Namen,
am Ende der Predigt lautstark: Amen.

(Es gilt das gesprochene Wort auf fränkisch!)

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