Niemand kann nichts! - Ansprache beim Schulentlassgottesdienst der Mittelschule Wendelstein 2015

Liebe Schülerinnen, liebe Schüler, liebe Eltern, liebe Gemeinde,

'German's next Top-Absolvent' ist das Thema unserer Schulentlassgottesdienstes. - Tja, und wer ist nun unser Top-Absolvent? Fest steht: ein jeder, eine jede sucht nach Anerkennung und nach einem Platz im Leben. Ein jeder, eine jede braucht es, wertgeschätzt zu werden. Ihr braucht es als junge Menschen, auch aber auch eure Eltern, auch die Lehrer, auch ein Pfarrer. Anerkennung und Wertschätzung sind wie ein Treibstoff im Leben, der uns voranbringt.

Fest steht auch: eine jeder, ein jede kann was! Niemand kann nichts! Gott hat uns alle mit großen Möglichkeiten und vielfältigen Fähigkeiten ausgestattet - wie gerade in der Casting-Show gesehen. Der eine ist besonders gut in Sport, die andere ist künstlerisch begabt. Der eine kann Mitmenschen mit seinem Humor zum Lachen bringen. Eine andere kann sich besonders gut um Menschen und ihre Probleme kümmern. Die Einen haben einen super-Abschluss hingelegt, die andern sich besseres erhofft. Manche besitzen gleich mehrere Top-Eigenschaften. Andere sind in nirgends spitze, sondern können viele Unterschiedliches.

Aber: Niemand kann nichts. Eine jeder, ein jede kann was! Manchmal braucht es einfach Zeit und auch Gottes Fügung, dass man ganz unbekannte Fähigkeiten an sich entdeckt.

Ich möchte euch heute ein für die Abschlussfeier etwas abgefahrenes Beispiel erzählen, nämlich von unserer verstorbenen Leichenfrau Frau Probst. Sie kam vor Jahrzehnten aus Österreich hierher. Ihr Mann fand eine Anstellung am Wendelsteiner Friedhof und sie sollte sich als Leichenfrau jetzt um die Toten und die Trauernden Angehörigen kümmern. „Das kann ich nicht“, hat sie am Anfang gedacht und gesagt. Das kann ich nicht! Aber dann war sie die Frau hier in Wendelstein, die ihre Berufung gefunden hatte, die mit einem großen Herzen so viele Menschen getröstet und begleitet hat.

Das will sagen: Wir alle haben viel mehr Fähigkeiten als wir denken. Und manchmal braucht es einfach Zeit, diese zu entdecken.

Und was ist nun Top? Wer gewinnt? Eigentlich gar nicht so schlecht, dass sich die Jury in unserem Anspiel gestritten hat. Denn was top und was flop ist, ist relativ. Es hängt ganz vom Standpunkt ab.

Ein großes Glück ist, dass es einen Betrachter gibt, der einen ganz anderen Standpunkt einnimmt und uns mit anderen Augen betrachtet. In der Bibel steht: Ein Mensch sieht, was vor Augen ist. Gott aber sieht das Herz an. (1. Sam 16,7)

Gott schaut nicht auf die Eigenschaften, die in den Castingshows verhandelt werden. Gott schaut nicht auf Schulnoten und nicht auf Siegerurkunden. Er schaut mitten ins Herz. Sein Standpunkt ist der der bedingungslosen Liebe.

Für ihn bist du ein wertvolles Geschöpf. Für ihn bist du top – egal was du kannst oder auch nicht. Gott kennt deine Stärken und Schwächen, deine Ängste und Unsicherheiten, dein Sehnsüchte und dein Glück. Gott kennt dich besser als du sich selbst. Er schaut dir Herz und findet dich top, einfach weil du du bist, Gottes Geschöpf.

Wir vergessen oder übersehen das oft so leicht. Wir achten auf die Äußerlichkeiten und vergessen, dass hinter jeder Fassade ein unverwechselbarer  und von Gott geliebter Mensch ist.

Ihr bekommt nachher ein Geschenk von uns: Einen kleinen Handspiegel. Wenn ihr reinschaut seht ihr natürlich euch. Aber denkt dran: Hinter der Fassade ist da ein von Gott Top-geliebter Mensch. Amen.

Pfarrer Norbert Heinritz

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