Osterpredigt 2018 von Pfr. Norbert Heinritz

Liebe Gemeinde,
der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden. Das feiern wir heute: Ostern. Die Auferstehung Jesu. Der Sieg Gottes über den Tod. Christ ist erstanden von der Marter alle, des soll wir all fröhlich sein, Christ will unser Trost sein. Kyrie eleis. So haben wir gesungen. Herr erbarme dich, heißt das. Übrigens nicht, wie ein Konfirmand behauptet hat: "Kyrill sei leis!"

Ein Freudenfest ist Ostern. Fröhlich können wir sein. Die bunten Eier - ein Ausdruck der Lebensfreude. Die gelben Osterglocken auch – gelb wie die Sonne am Ostermorgen. Meine lila und weißen Krokusse im Garten, der langsam anbrechende Frühling, das Aufblühen der Natur, die Farben der Blumen, das Aufatmen nach dem Winter – alles ein Gleichnis für die Auferweckung Jesu zu neuem Leben.

Auch die Eier, die wir bemalen, sind ein Zeichen des Lebens. Was war zuerst, die Henne oder Ei? - Einer hat mir mal gesagt: "Mein Hunger." - Aus dem Ei schlüpft ein Küken? Neues Leben. Ein Gleichnis. Christus schlüpft gewissermaßen aus dem Grab. Ein Freudenfest ist Ostern.

Ostern ist das Grunddatum unseres Glaubens. Ohne Jesu Auferstehung würden wir heute nicht hier der in St. Georgskirche sein, würde kein Posaunenchor die Osterfanfare intonieren, würden wir keine Freudenlieder singen. Ohne Jesu Auferstehung würde es die Kirche nicht geben und keine Christen. Kein Mensch würde mehr von diesem Jesus von Nazareth reden. Der Sonntag, der Tag des Herrn, wäre bei uns nicht Feiertag. Vielleicht wäre es der Samstag, der Sabbat, oder der Mittwoch oder was auch immer. Die Schüler wären traurig: Es gäbe auch keine Osterferien. Und auch keine Weihnachtsferien, kein Pfingstferien. Überhaupt keine christlichen Feste gäbe es. Die Konfirmanden würden sich freuen: Sie müssten kein Glaubensbekenntnis und keine Lieder auswendig lernen. Aber es gäbe natürlich auch keine Konfirmanden mehr, die sich freuen könnten. Und keine Diakonie, kein Glockenläuten, und keine Pfarrer und Pfarrerinnen. Schade wäre das, gell. Unsere Welt sähe einfach anders aus.

Es soll ja Zeitgenossen geben, denen würde das alles nicht fehlen. Es soll sogar welche geben, die es sogar gerne so hätten: das Christliche weg aus unsere Gesellschaft. Aber wollten wir das wirklich? Wir heute hier natürlich nicht! Wir feiern, wir freuen uns. Ostern ist ein Freudenfest.

Freilich geht es dabei ja weniger um die bunten Eier und die Schokohasen, um die Kindergeschenke und um die Osterbräuche. Dabei geht auch weniger ums Glockenläuten, die Diakonie, die Pfarrer und Pfarrerinnen, und auch nicht um die Kirche.

Es geht um diese Botschaft: Der Tod ist besiegt. Der Tod hat nicht mehr das letzte Wort. Christus ist auferstanden. Jesus lebt, mit ihm auch ich. Es geht um dieses schier unglaubliche Wunder der Auferweckung Jesu. Um dieses Wunder, dass Gottes Welt hereinleuchtet in unser irdisches Dasein. Um dieses Wunder, dass diese Welt am Ende nicht dem Tod ausgeliefert sind, sondern der Gnade und Liebe Gottes.

Ostern ist das Grunddatum unseres Glaubens. Schon Paulus schreibt: Ist aber Christus nicht auferweckt worden, so ist unsre Predigt vergeblich, so ist auch euer Glaube vergeblich. (1Kor 14,14) Ich würde heute hier vergeblich stehen, ihr da oben im Posaunenchor vergeblich blasen, ihr da unten vergeblich singen. Gott sei Dank, ist es nicht so.

Freilich bei aller Begeisterung und bei aller Freude, die Auferweckung Jesu war schon immer fraglich und zweifelhaft. Sie ist ja auch schier unvorstellbar und unglaublich. Thomas, der zweifelnde Jünger Jesu, ist ja geradezu sprichwörtlich geworden. Der ungläubige Thomas. Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale sehe und lege meinen Finger in die Nägelmale und lege meine Hand in seine Seite, kann ich's nicht glauben. (Joh 20,25)

Und als Maria Magdalena und die übrigen Frauen am Ostermorgen vom leeren Grab zurückkehrten und von Jesu Auferstehung erzählten, wollten es die Jünger tatsächlich nicht glauben: Sie hielten das Reden der Frauen für Geschwätz, heißt es im Lukasevangelium (Lk 24,11). Für fake news. Wie auch heutzutage gar nicht so wenige die Auferstehung für fake news halten.

Die Auferweckung Jesu war also von Anfang an selbst unter seinen Anhängern zweifelhaft und fraglich. Und doch muss ja etwas geschehen sein, dass wir heute hier miteinander singen, beten und Jesu Auferstehung feiern.

Es war die Begegnung mit dem Auferstanden, es war die Begegnung mit dem Wunder Gottes, die alles veränderte.
Dem Thomas tritt Jesus entgegen. Er erkennt ihn und glaubt, ohne die Finger in seine Wunden zu legen: Mein Herr und mein Gott. (Joh 20,28) Maria Magdalena trifft Jesus vor der offenen Grabhöhle. Sie sieht Jesus stehen, aber weiß nicht, dass es Jesus ist. Er spricht sie an: „Maria" (Joh 20,26). Da gehen ihr die Augen und die Ohren auf. Und Paulus fällt vom Pferd und begegnet dem Auferstandenen auf dem Weg nach Damaskus.

Die Begegnung mit dem Auferstanden verändert alles. Wie ist er euch begegnet?

Vielleicht als Kind in den diesen wunderbaren Geschichten der Bibel. Ich habe diese Geschichten als Kind geliebt.

Vielleicht in der Musik. Diese wunderbaren Choräle, die einem im Herz treffen, wenn sie die Orgel oder der Posaunenchor intoniert. Oder auch die modernen christlichen Lieder. Wie oft habe ich einen Ohrwurm, der mich begleitet. Wir wollen alle fröhlich sein, in dieser österlichen Zeit...

Vielleicht ist er euch auch in dunkler Zeit begegnet. In einer Zeit der Verzweiflung, der Trauer, der Angst. Wie damals bei den Jüngern. Und dann ihm begegnen, dem Auferstandenen, der einen herausholt und den Weg zeigt und Kraft gibt. Das Wunder der Auferstehung erleben, dass ich dann, wenn ich am Boden liege, wieder Kraft habe aufzustehen.

Vielleicht ist er euch in seinem verkündigten Wort begegnet. Ich erinnere mich an Predigten, die mich getroffen und berührt haben, die mich aufgebaut haben, in denen ich wusste, da bin ich gemeint als ein befreiter, geretteter, erlöster Mensch.

Der Auferstandene kann einem in so vielfältiger Weise begegnen. Das Wunder Gottes in deinem Leben. Es muss gar nicht großartig und überwältigend sein. Manchmal ist es nur ein kleiner Lichtstrahl aus einer anderen Welt, der da ins Leben einfällt und dich doch berührt.

Jedenfalls muss es Hans Dieter Hüsch, dem 2005 verstorbenen Kabarettisten auch irgendwie so gegangen sein. Ich habe mich so gefreut, als ich im Schwabacher Tagblatt auf der Seite 2 in dieser Wochenendausgabe dieses tolle Gedicht von ihm mal wieder lesen konnte. In einem Kommentar zu Ostern steht es! Ein wahrhaft österliches Gedicht. Ich will es euch nicht vorenthalten.

Ich bin vergnügt, erlöst, befreit.
Gott nahm in seine Hände meine Zeit,
mein Fühlen, Denken, Hören, Sagen,
mein Triumphieren und Verzagen,
das Elend und die Zärtlichkeit.

Was macht, dass ich so fröhlich bin
im meinem kleinen Reich?
Ich sing und tanze her und hin
vom Kindbett bis zur Leich.

Was macht dass ich so furchtlos bin
an vielen dunklen Tagen?
Es kommt ein Geist in meinen Sinn,
will mich durchs Leben tragen.

Was macht, dass ich so unbeschwert
und mich kein Trübsinn hält?
Weil mich mein Gott das Lachen lehrt
wohl über alle Welt.

Ja, Lachen über alle Welt, liebe Gemeinde. Wir Christen haben gut lachen. Der Tod ist besiegt. Christus ist auferstanden. Ein Freudenfest zum Lachen ist Ostern. Ja, sogar über den Tod können wir lachen:

Was meint ihr steht auf dem Grabstein...
... der Putzfrau?  - Sie kehrt nie wieder.
... des Starkstrom-Elektrikers?  - Tausendmal berührt, tausendmal ist nichts passiert.
... des Totengräbers? - Wer andere in die Grube trägt ...
... des Chemiearbeiters, der in Salzsäure fiel? - Er hat seine Probleme immer gründlich gelöst.
... des Geisterfahrers? - Er war bis zuletzt entgegenkommend.
... des Mathematikers?  - Damit hat er nicht gerechnet.
Und was würde wohl auf auf dem weggerollten Grabstein unseres Herrn Jesus stehen? - Damit habt ihr nicht gerechnet!

Der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden. Amen.

Pfarrer Norbert Heinritz

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