Predigt zur Kirchweih 2019 von Pfr. Norbert Heinritz

Liebe Gemeinde,

vielleicht habt ihr euch schon gewundert, was die Kartons da vorne in der Kirche sollen: Umzugskartons. Keine Sorge, ich habe nicht vor nach Schwabach umzuziehen, auch wenn das manche befürchten, manche vielleicht auch erhoffen.

Kirche aus KartonsDie Kartons da vorne stammen von meinem katolischen Kollegen, dem Michael Kneißl. Mit denen haben wir beim Eröffnungsgottesdienst für die Kirchweih eben diese Kirche da gebaut. Eine Viertelstunde haben wir gebraucht – mit ein paar Erklärungen zu dem, was das drauf steht. Eine Viertelstunde - dann war die Kirche fertig. Für unsere St. Georgskirche hat nicht einmal ein viertel Jahrhundert gereicht. Ehrlich gesagt kann man es gar nicht genau sagen, wie lang der Kirchbau hier gedauert hat. Wahrscheinlich hat man seit Mitte des 14. Jahrhunderts mindestens 100 Jahre daran rumgebaut, bist die Mauern in ihrer heutige Form standen – wobei auch das nicht ganz stimmt. Die Höhe und Form unseres Turms stammt vom Ende den 19. Jahrhunderts. Der ist also – so groß und spitz, wie wir ihn sehen – gerade mal130 Jahre alt. Und wir haben auch schon wieder dran rumgebaut.

Auf jeden Fall gehört zu einer Kirche ein gutes Fundament. Wisst ihr es? Unsere St. Georgskirche steht am höchsten Punkt im Altort und auf einem Sandsteinfelsen. Auf Fels gebaut nicht auf Sand. Hier im Chorraum reicht das gemauerte Fundament am Tiefsten hinab: sechs Meter, dann kommt der Fels. Unsere Kirche steht bombenfest, ein super Fundament.

Wie ist das mit unserem Lebensfundament? Auf dem wir unser Leben bauen? Auch bombenfest?

„Kirche“- das ist ja nicht nur das Gebäude, Kirche ist auch die Gemeinschaft der Christen. „Ich g'hör zur Kerch“ – das heißt nicht: ich gehöre zu dem Bauwerk, sondern ich zähle mich zur christlichen Gemeinschaft. Das Fundament von uns Christen - so steht es auf diesen Kartons - ist Bibel und Bekenntnis und zu allererst und vor allem Christus, unser Herr. Er ist das Fundament der Kirche. Er ist der, auf dem sich alles gründet. „Ich g'hör zu Jesus“, darauf kommt es an. Dass du sich zu ihm hältst! Ist er auch dein Fundament im Leben? 

Ist euch eigentlich schon mal aufgefallen, dass unsere Kirche gar nicht gerade gebaut ist und auch nicht symmetrisch. Sie schaut trotzdem wohlgeformt aus. Wie die großen gotischen Kathedralen ist sie nämlich in Kreuzform gebaut. Angedeutet nur, ganz kleine Nischen – Querschiffe – wie ein Kreuz. Und jetzt schaut mal genau hin – und wenn ihr es jetzt nicht seht, müsst ihr es vom Mittelgang aus ansehen. Der Chorraum macht einen kleinen Knick nach links, neigt sich quasi nach links. Und dann schaut euch mal unser gotisches Kreuz auf dem Altar an. Das Haupt Jesu neigt sich von uns aus gesehen auch nach links. Die Form der Kirche stellt Christus am Kreuz dar samt dem geneigten Haupt. Das bedeutet: Er, Jesus, ist die Kirche, wir sind seine Glieder.

Zu einer Kirche gehört nun auch ein Dach. Es schützt. Es hält Unwetter und Sturm ab. Gut, wenn man ein Dach über den Kopf hat. Gut wenn auch dein Leben beschützt und behütet ist. Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt ..., heißt es im 91. Psalm. Beschützt und beschirmt - hoffentlich auch du.

Zu einer Kirche wie der unseren gehört ein Kirchturm. Weit zu sehen ist er. Es ist meine Lieblingsankunft hier nach Wendelstein, wenn man von Röthenbach herkommend den kleinen Berg der Röthenbacher Straße durch das Wäldchen hinabfährt und sich dann der Blick auf Wendelstein und unsere Kirche öffnet. Die Kirchenerbauer haben schon gewusst, was sie tun. Der Kirchturm ist weit zu sein. Auch wir sollen unseren Glauben nicht verstecken. Es soll zu sehen sein, dass wir Christen sind in dieser Welt.

Der Kirchturm ist ein Symbol. Er zeigt nach oben, dem Himmel entgegen. Der dreeinige Gott: Vater, Sohn, Heiliger Geist steht hier auf dem Kirchendach unserer Kartonkirche. Der Kirchturm fordert uns auf, über die irdischen Dinge hinaus zusehen, Gott entgegen.

Und zu einer Kirche gehört nun auch eine Tür. Darum dreht es sich heute besonders. Eine große Tür sollte es sein, eine Tür offen für jede und jeden. Unsere Bibelworte heute stoßen uns darauf: Wir sind Eingeladene, von Gott Eingeladene. Wohlan, alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser! Und die ihr kein Geld habt, kommt her, kauft und esst! Kommt her und kauft ohne Geld und umsonst Wein und Milch! Warum zählt ihr Geld dar für das, was kein Brot ist, und euren sauren Verdienst für das, was nicht satt macht? Hört doch auf mich, so werdet ihr Gutes essen und euch am Köstlichen laben. Neigt eure Ohren her und kommt her zu mir! (Jesaja 55,1-3)

Kommt her! Die Tür Gottes ist offen. Gott ruft uns! Hören wir seine Einladung? Ihr habt sie heute Morgen gehört. Ihr seid da. Eingeladen von unserem Gott. So eine Kirche will gefüllt werden. Aber verschließen wir nicht die Augen: es werden immer weniger, die der Einladung folgen.

Es gibt ja auch so viele Ausreden. So habe wir es im Evangelium gehört (Lukas 14,15-24): ich hab einen Acker gekauft und muss ihn ansehen; ich hab fünf Ochsen gekauft und muss sie inspizieren; ich hab geheiratet und muss mich um meine Frau kümmern. Oder: Ich hab bei der Kirchweih zu viel gesoffen und muss meinen Rausch ausschlafen; ich will wenigstens am Sonntag mit meiner Familie frühstücken; ich muss mit meinen Freundinnen eine Radtour machen, wie jeden Sonntag. Ausreden gibt es genug.

Es waren keine Armen im Gleichnis Jesu von vorhin, die ihre Ausreden hatten: Acker, Ochsen, Heirat. Wahrscheinlich geht es uns auch zu gut. Da gibt es so viel anderes, was einen zurückhält zu kommen – und wenn es das kuschelige Bett ist. Hören wir Jesu Ruf noch?

Die Armen und Verkrüppelten und Blinden und Lahmen werden dann eingeladen. Die kommen, die freuen sich, die feiern mit. In der Not sind auch die Kirchen wieder voll. Ob dann bei Gott noch Platz ist?

Wohlan, alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser! Durst muss man haben, Sehnsucht in der Seele, Sehnsucht nach Heil, nach Gott. Weil wir so voll sind mit anderem, spüren wir unsere Sehnsucht gar nicht mehr. Gott lädt aber gerade die Sehnsüchtigen ein. Gott lädt gerade die ein, die auf der Suche sind. Kommt her zu mir all, die ihr mühselig und beladen seid. Ich will euch erquicken. So lautet unser schöner Wochenspruch. Die Angestrengten, die Beladenen, die Traurigen, die Verzweifelten, die, denen es gerade schwer ums Herz ist, die sind von Gott ganz besonders eingeladen.

Und wer kommt, bekommt. Er oder sie bekommt etwas. Du wirst nicht leer wieder gehen, auch am Sonntagmorgen nicht. Ein Wort, ein Lied, ein Gebet, ein Gedanke und ganz gewiss Gottes Segen wird dich begleiten. Du wirst nicht leer gehen. Die Tür Gottes steht dir offen, wenn du nur auch deine Herzenstür öffnest.

Kommt her und kauft ohne Geld und umsonst Wein und Milch! Warum zählt ihr Geld dar für das, was kein Brot ist, und euren sauren Verdienst für das, was nicht satt macht? Gott lädt dich ein – umsonst, ohne Geld. Es ist so einfach sich von Gott beschenken zu lassen! Doch welch unnützem Zeug rennen wir oft nach und lassen uns das einiges kosten, an Zeit, Geld, Energie und Leben. Neigt eure Ohren her und kommt her zu Gott! Höret, so werdet ihr leben!  Eingeladene seid ihr. Und wer kommt, wird leben.

Kirchweih. Ich möchte euch auch einladen. Ich möchte euch einladen, unserer Kirche nicht aufs, sondern unters Dach zu steigen. Jetzt gleich nach dem Gottesdienst, wer Lust hat, kann mit mir hoch gehen auf dem Dachboden und sich unseren wunderbaren gotischen Dachstuhl anschauen und sehen, was unsere Vorfahren für den Glauben geleistet haben. Ich führe euch und erkläre auch ein wenig. Ihr müsst nur die enge Wendeltreppe hoch kommen.

Ich lade euch ein. „Schad!“, haben sich vielleicht a paar von euch gedacht, „aufs Dach lädt er uns ein, net auf ein Bier beim Frühschoppen.“ Ich will euch nicht enttäuschen. Ich lade euch auch zum Frühschoppen ein. Wenn der Gottesdienst vorbei ist, dürft ihr euch einen Bon mitnehmen, dafür kriegt ihr im Handballerhof zum Frühschoppen ein Bier oder was ihr sonst trinken wollt – wie es in der Bibel steht – umsonst. Der Bon freilich gilt aber bloß heute früh. Es ist wie beim Glauben: Man darf die Gelegenheit, die Gott einem bietet nicht verpassen. Also lass sich einladen - von mir und vor allem von Gott. Amen.

Predigt in der St. Georgskirche am 30.6.2019 von Pfarrer Norbert Heinritz