Sonntagsandacht zum 4. Sonntag nach Trinitatis (5. Juli)

Es sind wieder öffentliche Gottesdienste in den Kirchen möglich, aber es ist vielleicht nicht jedem oder jeder möglich, zu kommen. Darum laden weiterhin unsere Glocken zum gemeinsamen „Beten zu Hause“.  Man kann die Sonntagsandacht hier im Internet herunterladen und anhören oder wir bringen Sie Ihnen gedruckt ins Haus. Wenn Sie das möchten, geben Sie uns bitte Bescheid (ein Anruf im Pfarramtsbüro Tel. 286521 genügt).

Hören Sie die Gedanken zum Sonntag von Tobias Wölfel:

Andacht zum 4. Sonntag nach Trinitatis (5.7.2020)
von Vikar Tobias Wölfel

Hier können Sie die Andacht herunterladen.

Suchen Sie sich einen ruhigen Ort, allein oder mit der Familie, entzünden Sie – wenn Sie mögen – eine Kerze, setzen Sie sich ruhig hin, vielleicht hören Sie sogar unsre Glocken und achten auf Ihren Atem. Atmen heißt – ich darf leben. Machen Sie sich bewusst, Sie sind jetzt mit vielen in Wendelstein und Umgebung verbunden.

Eingangsgebet:

Barmherziger, treuer Gott, du vergibst mir täglich alle Schuld und willst, dass auch ich vergebe: Ich bitte dich, hilf, dass ich niemandem etwas nachtrage, sondern Barmherzigkeit lebe. Durch Jesus Christus unsern Herrn

Wochenspruch:

Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.

Psalm 36:

Bei dir, Herr, ist die Quelle des Lebens,
in deinem Lichte sehen wir das Licht.
Herr, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist, *
und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehn.
Deine Gerechtigkeit steht wie die Berge Gottes *
und dein Recht wie die große Tiefe.
Wie köstlich ist deine Güte, Gott,*
dass Menschenkinder Zuflucht haben unter dem Schatten deiner Flügel!
Sie werden satt von den reichen Gütern deines Hauses, *
und du tränkst sie mit Wonne wie mit einem Strom.
Ehre sei dem Vater und dem Sohn *
und dem Heiligen Geist,
wie im Anfang, so auch jetzt und allezeit *
und in Ewigkeit. Amen.

Evangelium des Sonntags:

Vom Umgang mit dem Nächsten (Lk. 6, 36-42)

Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. Und richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammt nicht, so werdet ihr nicht verdammt. Vergebt, so wird euch vergeben. Gebt, so wird euch gegeben. Ein volles, gedrücktes, gerütteltes und überfließendes Maß wird man in euren Schoß geben; denn eben mit dem Maß, mit dem ihr messt, wird man euch zumessen. Er sagte ihnen aber auch ein Gleichnis: Kann denn ein Blinder einem Blinden den Weg weisen? Werden sie nicht alle beide in die Grube fallen? Ein Jünger steht nicht über dem Meister; wer aber alles gelernt hat, der ist wie sein Meister. Was siehst du den Splitter in deines Bruders Auge, aber den Balken im eigenen Auge nimmst du nicht wahr? Wie kannst du sagen zu deinem Bruder: Halt still, Bruder, ich will dir den Splitter aus deinem Auge ziehen, und du siehst selbst nicht den Balken in deinem Auge? Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, danach kannst du sehen und den Splitter aus deines Bruders Auge ziehen.

Gedanken:

Esther

Esther sitzt am Küchentisch, die Tasse Tee steht vor ihr. In der Hand hält sie die Einladung zur Jubelkonfirmation. 25 Jahre ist das schon her, dass sie in ihrem Heimatort konfirmiert wurde. Sie erinnert sich noch an die geschmückte Kirche. Sie denkt zurück an die Zeit im Konfirmandenunterricht, aber auch an ihre beste Freundin, mit der sie konfirmiert wurde. Sie wollten unbedingt gemeinsam gesegnet werden. Nichts konnte die beiden trennen. Gemeinsam sind sie in der gleichen Nachbarschaft groß geworden, haben zusammen gespielt, über ihre erste Liebe geredet. Sie konnten sich einfach alles sagen. Damals zumindest. Bis es zu diesem heftigen Streit kam. „Egoistisch“ und „dumm“ hatte Esther ihre Freundin genannt. „Du bist für mich gestorben!“ Warum sie das damals sagte, weiß sie heute nicht mehr, aber seitdem sind sich die beiden aus dem Weg gegangen. Esther ist zum Studieren weggezogen und lebt nun in einer anderen Stadt. Seitdem hat sie ihre damals beste Freundin nicht mehr gesehen oder von ihr gehört. Sonst hatten sie nach einem Streit auch immer wieder zueinander gefunden, aber dieses Mal war es anders. Dieses Mal hatte sich ihre Freundin nicht dafür entschuldigt. Die Zeit heilt alle Wunden - sagt man ja immer. Aber dass sich ihre Freundin nicht entschuldigt hat, ärgert Esther immer noch. Da kann man eigentlich kein Gras drüber wachsen lassen.

Wir brauchen Gemeinschaft

Liebe Gemeinde,

wie wichtig unsere Beziehungen sind, das erkennen wir oft erst, wenn uns etwas trennt. Wenn uns der Kontakt zu den Personen, die wir gernhaben und lieben, fehlt. Manchmal reicht schon ein Wort aus, dass wir in Streit geraten. Weil wir uns verletzt fühlen. Weil wir erst einmal enttäuscht sind. Weil wir das Wort oder das Verhalten von diesem Menschen nicht erwartet hätten. Plötzlich hat sich diese Beziehung verändert. Und was ein Streit zwischen Freunden auslöst, das kann auch eine ganze Gemeinschaft trennen. Weil man nicht die gleiche Meinung hat oder sich gegenseitig die Schuld zuweist. Dann steht diese Gemeinschaft auf der Probe. Findet man wieder zu einander, überwindet man gemeinsam was trennt oder geht man getrennte Wege, so wie Esther und ihre Freundin?

Gemeinschaft ist es auch, was uns Christen auszeichnet. Das erleben wir, wenn wir uns in Gottesdiensten versammeln oder bei Festen unsere Gemeinschaft feiern. Auch wenn wir es dieses Jahr anders erleben, fühlen wir uns als Christen doch durch den Glauben verbunden. Wir gehen neue Wege, um gemeinsam Glauben zu leben. Andere als wir es gewohnt waren. Wir tun das, weil uns diese Glaubensgemeinschaft wichtig ist.

Paulus ist die Gemeinschaft wichtig

Neue Wege gehen Christen von Anfang an um diese Gemeinschaft zu erfahren. Sie ermutigen sich dazu. Paulus schreibt diesen Brief an die Gemeinde in Rom, weil er weiß, wie wichtig diese christliche Gemeinschaft ist. Auf seinen Reisen besuchte Paulus viele Gemeinden und in seinen Briefen hielt er Kontakt zu diesen. Dabei erlebt er auch Streitigkeiten in der Gemeinde. Weil sie unterschiedlicher Meinungen sind oder weil es Gerüchte über einzelne Mitglieder gibt. Manche Streiten sich darum, ob sie denn wirklich Christen sind, weil sie vorher keine Juden waren! Aber für Paulus ist es klar: Die christliche Gemeinschaft macht keinen Unterschied, denn alle verbindet der Glaube an Christus. Eine Gemeinschaft untereinander und mit Gott, die durch den Heiligen Geist gestärkt und ermutigt wird und nicht durch die Herkunft getrennt.

Überwinde das Böse

In dieser Situation erfährt Paulus selbst, wie Streit die Gemeinschaft belasten kann. Mit dieser Erfahrung wendet er sich an die Gemeinde in Rom mit einem Rat. Er schreibt: „Vergeltet niemandem Böses mit Bösem, seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann. Ist’s Möglich, so viel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden“ (Röm. 12, 17-18) Die noch jungen Gemeinden der Christen sollen nicht am Streit zerbrechen. Sondern in der Gemeinschaft miteinander wachsen. Für Paulus ist es klar, wie diese Gemeinschaft gelingen kann. Denn es steht im Evangelium: „Seid Barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. Und richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet.“ (Lk. 6, 36-37) Für Paulus ist klar: Barmherzigkeit und Gerechtigkeit gehören zusammen. Sie fördern unsere christliche Gemeinschaft.

Paulus fordert uns auf zu handeln!

Ja, es ist manchmal schwierig Barmherzig zu sein. Gerade wenn Streit uns trennt. Das ist auch Paulus bewusst, daher spricht er der Gemeinde in Rom und uns Mut zu, friedlich miteinander den Glauben zu leben; Böses nicht mit Bösem zu rächen, sondern Brücken zu bauen, damit das, was uns verbindet die Gemeinschaft stärkt. Damit meint Paulus nicht, dass wir alles wortlos über uns ergehen lassen müssen. Es soll uns Mut machen, damit wir nicht die Hände in den Schoß legen, sondern unser christliche Gemeinschaft stärken. Barmherzigkeit hilft uns dabei.

Es reicht, wenn wir wieder einen Schritt aufeinander zugehen nach einem Streit. Das Gespräch suchen, in dem wir erklären, was uns gekränkt hat. Das kann auch der Freundschaft von Esther helfen, dass nicht mehr der Streit zwischen ihnen steht; nicht das Böse, das die Gemeinschaft trennen will.

Was ist mit Esther?

Aber wie geht es nun Esther? Sie überlegt noch lange, ob sie denn überhaupt an diesem Tag teilnehmen soll. Während sie darüber nachdenkt, spürt sie, wie ihr diese Beziehung zu ihrer besten Freundin fehlt. Sie wird traurig. Aber kann es wieder so werden, wie es früher war? Esther will mit ihrer Freundin darüber reden. Ihr wird bewusst, dass der Kontaktabbruch auch ihre Schuld ist. Vielleicht hätte sie früher wieder auf ihre Freundin zugehen sollen. Aber ist nicht gerade dieses Konfirmationsjubiläum ein guter Moment dafür? Sie hofft auf Barmherzigkeit und dass sie sich wieder näher stehen, weil doch die Bibel davon erzählt, dass Gemeinschaft wieder möglich ist. Und so nutzt sie diese Möglichkeit, um ihren Ärger hinter sich zu lassen. Sie wird sich entschuldigen für das, was sie der Beziehung angetan hat. Und es soll die richtige Entscheidung sein, das wird Esther erfahren. Amen

Fürbitten:

Herr du schenkst uns deine Welt,
damit wir sie mit Gutem füllen und das Böse lassen.

Herr, wir bitten für alle die von Gewalt bedroht sind,
du hast Frieden für diese Welt versprochen,
lass das Böse in unseren Herzen nicht siegen,
sondern baue dein himmlisches Reich unter uns.

Barmherziger Vater, vor dich bringen wir die Menschen,
die sich nach Gerechtigkeit und Anerkennung sehnen,
du hast uns den Weg der Barmherzigkeit gezeigt,
lass uns diesen Weg weitergehen,
schenke uns Mut, füreinander einzustehen.

Heiliger Geist, wir bitten dich für alle, die unter der Last des Alltags leiden,
du hast uns den Auftrag gegeben füreinander da zu sein,
lass sie nicht in Vergessenheit geraten,
sondern öffne unsere Augen, dass wir den anderen sehen.

Christus, du bist unser Bruder,
vor dich bringen wir alle Menschen die uns am Herzen liegen.
Bleib mit deiner Liebe bei ihnen.
Lenke unser Reden und Handeln,
dass wir untereinander barmherzig handeln, wo Liebe fehlt.

Allmächtiger Vater, höre unsere Bitten,
der du mit dem Sohn und dem heiligen Geist regierst,
von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen

Vater unser im Himmel …

Segen

Sei gesegnet, liebster Mensch. Lass das Gute in dir wohnen.
Denke frei und unbeschwert. Tue deiner Hände Werk.
Folge fröhlich deinen Wegen.

Singe, tanze, lache, lebe. Breite deine Flügel aus.
Wandere dem Glück voraus und sei du selbst ein Segen.

 

 

 

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